Ehemaliger Direktkandidat für Die Linke und Vorsitzender des Deutschen Friedensrats wieder in Moskau
In Moskau fand im September 2026 die Konferenz “Aurora Pacis-Aufbruch” statt, mit dabei Vertreter des deutschen Friedensrats und ein deutscher Musiker und Künstler. Die Tagung soll ein Vorbereitungsschritt zur Gründung des internationalen Jugend-Weltfriedensrates im kommenden Jahr sein.
Interessiert man sich für kürzliche Russlandreisen von Gerhard Fuchs-Kittowski, landet man möglicherweise im Jahr 2025 und bei seinem Aufenthalt aus Anlass des 70-Jahr-Jubiläums des Warschauer Paktes. Doch das ist nicht seine letzte Reise, wie man der russischen staatlichen Nachrichtenagentur TASS entnehmen kann, die am 21. September 2026 titelt: “Experte Fuchs-Kittowski sieht keinen Grund für die Propaganda über eine militärische Bedrohung durch die Russische Föderation.”
Von dem Besuch wurde auf Instagram von einem Account mit dem Namen “Towarisch Reporter” (Towarisch, russ. “Genosse” bzw. “Kamerad”) und von einer in Russland lebenden Influencerin “Liza Graf” berichtet. Beide Kanäle sind laut Accountangabe in Russland lokalisiert.

Screenshots der Instagramkanäle von “Towarisch Reporter” und “Lizaveta Graf” Quelle: Instagram
Mehr Hintergründe zu dem Besuch in Moskau liefert ein Bericht des in der EU gesperrten Senders RT Deutsch (Stand 23. September 2026):
“Frieden und Sicherheit: Internationale Konferenz in Moskau:
Bei der internationalen Konferenz “Aurora Pacis-Aufbruch” in Moskau diskutieren deutsche und russische Teilnehmer über Frieden, europäische Sicherheit, Atomwaffen und den Einsatz künstlicher Intelligenz im Militär.”
Laut Beitrag wurde die Konferenz vom “Vorbereitungskomitee des internationalen Jugend-Weltfriedensrates” veranstaltet. Die Tagung soll ein Vorbereitungsschritt zur Gründung des internationalen Jugend-Weltfriedensrates im kommenden Jahr sein. Neben Fuchs-Kittowski spricht im Beitrag auch Klaus Koch, der Mitglied im Präsidium des Deutschen Friedensrates ist. Über Klaus Koch, einen ehemaligen Oberstleutnant der NVA, berichteten deutsche Medien insbesondere im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen Personen aus dem Umfeld des Vereins „Friedensbrücke – Kriegsopferhilfe“.
Ebenfalls im Kurzinterview bei der Konferenz zu sehen ist der Musiker und Komponist Tino Eisbrenner. Dieser war 2021 Kandidat bei der Partei “Die Linke”, 2026 hat er eine angekündigte Kandidatur für das BSW zurückgezogen.
Bemerkenswert ist auch, wer die Veranstaltung anmoderiert hat: Bei RT-DE-Korrespondent Georg Sadownitschij handelt es sich nämlich um die gleiche Person, die auf Instagram unter dem Namen “Towarisch Reporter” auftritt.

Anmoderation des Berichts auf RT DE durch Korrespondent Georg Sadownitschij, Quelle: Screenshot RT DE abgerufen am 23. September 2026
Hintergründe zum Weltfriedensrat
Der Weltfriedensrat, “World Peace Council”, war besonders während des Kalten Krieges alles andere als unumstritten. Die damals nur nominell unabhängige, stark von der Sowjetunion finanziell unterstützte Organisation stand immer wieder in der Kritik, ein sehr einseitiges Verständnis zu der Frage zu pflegen, wer den Frieden in Europa gefährden würde. Nachdem der Weltfriedensrat bereits seinen Sitz in Paris aufgeben musste, wurde 1957 in Österreich der in Wien ansässige Verein ‚Sekretariat des Weltfriedensrates‘ rechtskräftig aufgelöst. In einem Protokoll einer österreichischen Nationalratssitzung aus dem Jahr 1962 sagte SPÖ-Innenminister Josef Afritsch: “Das Bundesministerium für Inneres hat jedoch bekanntlich im Jahre 1957 den Verein ‚Sekretariat des Weltfriedensrates‘, der seinen Sitz in Wien hatte, rechtskräftig aufgelöst.” sowie “Das Bundesministerium für Inneres wird auch in Zukunft nicht zulassen, daß von Österreich aus eine Tätigkeit entfaltet wird, die den Anschein erwecken könnte, daß die einseitige Zielsetzung des Weltfriedensrates von den österreichischen Behörden gebilligt wird.”
Die Historikerin Irina Gordeeva schreibt in einer 2025 erschienenen Arbeit: “In Eastern Europe the ‘official’ peace movement originated through a network of national peace committees affiliated to the Soviet-controlled World Peace Council (WPC), established in 1950 to propagate Soviet views and to rally international solidarity for Soviet peace and disarmament initiatives.”
Immer wieder diskutiert wurde die Finanzierung des World Peace Council. Während behauptet wurde, dass es sich um freiwillige Spenden friedensbewegter Sowjetbürger handeln würde, berichteten die Übersetzerin Ruth Tosek und der ehemalige Mitarbeiter des World Peace Council Mikhail Voslensky später über eine direkte bzw. maßgebliche Finanzierung aus sowjetischen staatlichen Quellen. Der deutsche Verfassungsschutzbericht aus dem Jahr 1976 schreibt über den Weltfriedensrat unter Generalsekretär Romesh Chandra (Kommunistische Partei Indiens): “Einen weiteren Schwerpunkt der Bündnispolitik bildete 1976 die Kampagne für Frieden und Abrüstung, die der prokommunistische „Weltfriedensrat” im Sommer 1975 initiiert hatte; dessen Generalsekretär Romesh CHANDRA (KP Indiens) bezeichnete das „Friedensprogramm” der KPdSU als Aktionsbasis für die organisierte Weltfriedensbewegung.”
Zwar gibt es seit 1991 keine Sowjetunion mehr, doch zumindest eine Tradition hat sich der Weltfriedensrat erhalten. Der derzeitige Generalsekretär, Athanasios Pafilis aus Griechenland, ist wie einige seiner Vorgänger führendes Mitglied einer kommunistischen Partei. In seinem Fall handelt es sich um die Kommunistische Partei Griechenlands (KKE). Der Parlamentarier ist Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei.
Links:
Lausitzer Rundschau – Fuchs-Kittowski und RT DE, 2025
https://www.lr-online.de/lausitz/weisswasser/bundestagswahl-2025-wie-kandidat-der-linken-interview-mit-rt-de-rechtfertigt-77787440.html
Sächsische Zeitung – Fuchs-Kittowski und seine Russland-Positionen, 2025
Bericht über den Görlitzer Linken-Direktkandidaten und seine Positionen zu Russland.
https://www.saechsische.de/lokales/goerlitz-lk/goerlitz/ist-der-goerlitzer-linken-direktkandidat-ein-russland-versteher-NPO77YKYMJFMPEFWNHKRF3BV7A.html
Lausitzer Rundschau – Kandidaten im Wahlkreis 156, 2025
Übersicht der Kandidaten zur Bundestagswahl 2025 im Wahlkreis 156; Fuchs-Kittowski wird als Kandidat der Linken geführt.
https://www.lr-online.de/lausitz/weisswasser/bundestagswahl-2025-diese-kandidaten-treten-im-wahlkreis-156-in-weisswasser-an-77802509.html
TASS – Fuchs-Kittowski in Moskau, 21. September 2026
Russische staatliche Nachrichtenagentur mit Aussagen Fuchs-Kittowskis zur behaupteten militärischen Bedrohung durch Russland.
https://tass.ru/mezhdunarodnaya-panorama/28137021
Deutscher Friedensrat – Vorstand, Stand September 2026
Fuchs-Kittowski wird als Vorsitzender des Deutschen Friedensrats geführt.
https://www.deutscherfriedensrat.eu/vorstand
Österreichischer Nationalrat – Stenographisches Protokoll, 23. Mai 1962
Innenminister Josef Afritsch zur Auflösung des Wiener “Sekretariats des Weltfriedensrates” und zur “einseitigen Zielsetzung” des Weltfriedensrats.
https://www.parlament.gv.at/dokument/IX/NRSITZ/99/imfname_156924.pdf
Verfassungsschutzbericht 1976
Passage zum “prokommunistischen Weltfriedensrat”, zu Generalsekretär Romesh Chandra und zum “Friedensprogramm” der KPdSU.
https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-1976.pdf

Dietmar Pichler ist Chief Analyst und Redakteur bei INVED und verfügt über umfassende Expertise in den Bereichen Desinformation, Medienkompetenz und ausländische Einflussnahme. Er analysiert Desinformationskampagnen sowie propagandistische Einflussstrategien autoritärer Regime. Neben seiner Tätigkeit bei INVED ist er als freiberuflicher Medienkompetenztrainer, Berater für strategische Kommunikation und Desinformationsanalyst in Wien tätig. Er ist Vizepräsident der NGO „Vienna Goes Europe“ und Gründer der Initiative „Disinfo Resilience Network“, die sich der Vernetzung von Fachleuten zur Aufdeckung und Einordnung hybrider Bedrohungen widmet.
