Freiheitliche Abgeordnete kündigt Teilnahme auf Prager Konferenz zum Thema “BRICS, Globaler Süden und Mitteleuropa” an
Die freiheitliche Nationalratsabgeordnete Katayun Pracher-Hilander meldet kürzlich auf Social Media, dass sie sich gerade auf dem Weg zu einer Konferenz in Prag befindet. Es handelt sich, vergleicht man thematisch was in Prag dieser Tage stattfindet, wohl um eine Konferenz, bei der auch ein sanktionierter russischer Wissenschaftler sprechen soll. UPDATE: 21.09.2026“ich bin gerade am Flughafen unterwegs nach Prag, weil ich heute am Samstag die große Ehre habe uns Freiheitliche bei einer Konferenz zum Thema BRICS Staaten, Globaler Süden und Mitteleuropa vertreten zu dürfen”. Sie sagt weiters, dass sie sich sehr freut und auch die große Ehre hat, bereits als Zweitrednerin auf der Liste zu sein sowie 10 Minuten Redezeit statt der üblichen 3 Minuten im Parlament zu haben.
Pracher-Hilander, die an mehreren Hochschulen in Österreich Lehrbeauftragte war, beschäftigt sich auf ihren Social Media Accounts mit unterschiedlichen Themen. So will sie wissen, was es mit Biolaboren in Österreich auf sich hat, oder titelt “Corona, nein wir vergessen nicht” und spricht sich gegen angebliche “Kriegspropaganda” aus. Die österreichische Außenministerin, so “schätzt” Pracher-Hilander, wäre “tief im Herzen” lieber “Kriegsministerin”.
Sucht man nach einer Konferenz in Prag, die den Angaben von Pracher-Hilander entspricht, landet man bei “Střední Evropa, BRICS a globální Jih: Perspektivy globální spolupráce”, zu Deutsch: “Mitteleuropa, BRICS und der Globale Süden: Perspektiven globaler Zusammenarbeit”.
Die Konferenz wird bereits in Tschechien kontrovers diskutiert. Das liegt unter anderem daran, dass der von der EU wegen der Verbreitung und Unterstützung von Kreml-Narrativen und seiner Rolle bei russischen Informationsmanipulationsaktivitäten sanktionierte Russe Fjodor Lukyanov als Speaker (per Videoschalte) angekündigt wurde. Lukyanov ist Chefredakteur von Russia in Global Affairs und Forschungsdirektor des Valdai Discussion Club und seit Dezember 2025 auf der EU-Sanktionsliste.
Es gab bereits Personen, die ihre Teilnahme abgesagt haben. Der ursprünglich angekündigte ehemalige tschechische Europaabgeordnete Jan Zahradil sagte seine Teilnahme ab, nachdem er vom tschechischen Nachrichtenportal “Seznam Zprávy” auf die Teilnahme Lukyanovs und dessen Sanktionierung angesprochen worden war.
Der tschechische Politiker und ODS-Vorsitzende Martin Kupka kritisiert in einem Medienbericht die Konferenz scharf: “Ich bin entsetzt, in den Nachrichten zu lesen, dass heute in Prag eine Konferenz mit der Teilnahme von Putins Hofpropagandisten Fjodor Lukanow stattfindet. Regierungsabgeordneter Jindřich Rajchl, Putins führende Stimme in der Tschechischen Republik, wird ebenfalls auf derselben Konferenz sprechen”, kommentierte ODS-Vorsitzender Martin Kupka.
Der Vorsitzende der veranstaltenden Organisation Svatopluk, Petr Drulák, weist die Kritik zurück und spricht laut Berichten von “Wachhunden der Brüsseler Propaganda”.
Die sogenannte Svatopluk-Vereinigung beschäftigt sich unter anderem damit, “linke und rechte Patrioten zu vereinen”. Sie sieht laut eigener Website in der Strömung “Tradice” die Welt “durch die Augen der konservativen Rechten”, während sich die Strömung “Solidarita” gleichzeitig zur “traditionellen Linken” bekennt.
UPDATE 21. September 2026:
Laut dem tschechischen Medium iDNES.cz hielt der von der EU sanktionierte russische Politikwissenschaftler Fjodor Lukjanow seinen Vortrag per Videoschaltung. Seine angekündigte Teilnahme hatte bereits im Vorfeld erhebliche Kontroversen in der Tschechischen Republik ausgelös
Eine der Teilnehmerinnen war laut einem Bericht von iDNES.cz Kateřina Konečná, ehemalige Vorsitzende der Kommunistischen Partei Böhmens und Mährens (KSČM), Europaabgeordnete und zentrale Figur der linksnationalistischen, euroskeptischen Bewegung Stačilo! (“Genug!”).
Links/Weitere Informationen
FORUM 24, 19.09.2026: Bericht über die Svatopluk-Konferenz in Prag, insbesondere die Teilnahme von Jindřich Rajchl und des EU-sanktionierten russischen Politologen Fjodor Lukjanow; enthält auch weitere angekündigte Teilnehmer.
ParlamentníListy.cz, 18.09.2026: Bericht über die Konferenz „Střední Evropa, BRICS a globální Jih“ mit Stellungnahmen des Svatopluk-Vorsitzenden Petr Drulák zur Kritik an Lukjanows Teilnahme.
PR Deník: PR Beitrag/Advertiruak über Svatopluk und seine politische Selbstdarstellung; relevant insbesondere für die erklärte Absicht, linke und rechte „Patrioten“ zusammenzubringen.
Ankündigung der Konferenzreise auf Facebook (Kanal von Katayun Pracher-Hilander)
https://www.facebook.com/reel/1415054716634259
ParlamentníListy.cz (19.09.2026): Bericht über die Konferenz in Prag, Teilnehmer und Redebeiträge.
https://www.parlamentnilisty.cz/arena/monitor/Rajchl-vystoupil-na-konferenci-ktera-vadi-mediim-A-vratil-uder-797035
iDNES.cz (19.09.2026): Weiterer Vor-Ort-Bericht über die Konferenz in Prag, Teilnehmer und Redebeiträge.
https://www.idnes.cz/zpravy/domaci/milos-zeman-jindrich-rajchl-spolek-svatopluk-rusko-cesko-konference-brics-fjodor-lukjanov.A260919_113500_domaci_svm

Dietmar Pichler ist Chief Analyst und Redakteur bei INVED und verfügt über umfassende Expertise in den Bereichen Desinformation, Medienkompetenz und ausländische Einflussnahme. Er analysiert Desinformationskampagnen sowie propagandistische Einflussstrategien autoritärer Regime. Neben seiner Tätigkeit bei INVED ist er als freiberuflicher Medienkompetenztrainer, Berater für strategische Kommunikation und Desinformationsanalyst in Wien tätig. Er ist Vizepräsident der NGO „Vienna Goes Europe“ und Gründer der Initiative „Disinfo Resilience Network“, die sich der Vernetzung von Fachleuten zur Aufdeckung und Einordnung hybrider Bedrohungen widmet.
