7 Gründe warum der Abgang von Grünen und SPD von X ein Fehler ist – Kommentar
Die Entscheidung der Grünen, SPD, gemeinsam mit „die Linke“!!! X zu verlassen, aufgrund der Zustände dort (die ich auch kritisch sehe), halte ich für falsch, dafür möchte ich 7 Gründe anführen:
Es verharmlost andere Plattformen, insbesondere TikTok. Ich arbeite gerade an einer TikTok-Recherche, was da der Algorithmus pusht, an Extremismus, von Jihadismus über Stalinismus, Rechtsextremismus, Verschwörungstheorien, Antisemitismus bis zu prorussischer Kriegspropaganda, ist einfach hochgradig alarmierend, dies alles mit insbesondere der Jugend im Visier!
Wenig besser sind die Zustände auf Instagram. Kürzlich hat mir jemand auf Instagram die Vernichtung gewünscht, genauer gesagt solle Russland die Ukraine und auch mich „auslöschen“. Hasspostings sind an der Tagesordnung, bei beiden Plattformen.
Dabei sollte auch die extrem weitverbreitete Manipulation mit KI-Inhalten und das massenhafte Auftreten von Scammern nicht vergessen werden, nicht nur auf TikTok und Instagram, auch auf Facebook, wo die ältere Generation angesprochen werden soll.
Kooperation mit „die Linke“: Wenn ich mir die Narrative und Geschichte dieser Partei anschaue, was von dort zur EU, Russland, zum Nahen Osten und zur DDR kommt, frage ich mich, was SPD und speziell die Grünen geritten hat, hier einen Partner zu sehen.
Bei aller Kritik: X ist nicht „TruthSocial“; es gibt hier immer noch ganz unterschiedliche Stimmen. Das wird oft in Anbetracht negativer Erlebnisse ausgeklammert. Ich habe sehr viele gute Leute über X kennengelernt, sowohl aus dem akademischen Bereich wie auch aus Journalismus und Politik.
Auch Bürgerinnen und Bürger mit anderen, ja teils absurden Positionen, verdienen Dialogbereitschaft. Die Politik hat präsent zu sein, auch dort, wo es weh tut und nervt. Aber dieser Schritt signalisiert Dialogverweigerung. Und wieder: Auf Insta und speziell TikTok sind die Zustände sicher nicht besser, die Reichweiten aber vielleicht manchmal höher. Ich weiß schon, dass Parteiaccounts, Medienaccounts usw. als „nicht menschliche“ Profile auf X nicht „gut gehen“.
Diese Kanäle, teilweise mit beträchtlichen Followerzahlen, einfach aufzugeben, halte ich für einen unverantwortlichen Schritt. Hier wurde sicher über mehrere Jahre viel Arbeit investiert, um eine gewisse Followeranzahl zu erreichen. Diese Arbeitsstunden und der Aufbau der Follower selbst sind nicht gratis, da rede ich noch gar nicht von eventuellen Kampagnen in der Vergangenheit.
Man überlässt den Populisten unwidersprochen das Feld, bis hier zum Beispiel aus Deutschland nur noch BSW, AfD und ein paar Splittergruppen der extremen Ränder den Ton angeben.
Es lohnt sich weiterhin, auch hier Informationen zu erhalten: Erstens sind, auch wenn die Zustände alles andere als einfacher wurden, auch auf X eben nicht nur „Schwurbler“ unterwegs, zweitens erfährt man hier auch, welche „Sau“ die extremen Ränder, Populisten und Verschwörungstheoretiker gerade so „durchs Dorf treiben“. Es ist schlicht auch eine Quelle für die Recherche. Diese nicht wahrzunehmen, scheint mir gerade bei einer Politik, die ohnehin nicht immer den am besten informierten Eindruck macht, fahrlässig.
Oder anders formuliert: Ja, teilweise skandalöse Ereignisse auf X muss doch auch jemand dokumentieren, das werden einzelne „Investigativjournalisten“ sicher nicht alleine schaffen.
#beiXgehtmehr #WirVerlassenX
Ich richte diesen Brief insbesondere an die SPD und die Grünen und würde mich über ein Statement zu den von mir angesprochenen Aspekten freuen (dietmar.pichler@inved.eu)

Dietmar Pichler ist Chief Analyst und Redakteur bei INVED und verfügt über umfassende Expertise in den Bereichen Desinformation, Medienkompetenz und ausländische Einflussnahme. Er analysiert Desinformationskampagnen sowie propagandistische Einflussstrategien autoritärer Regime. Neben seiner Tätigkeit bei INVED ist er als freiberuflicher Medienkompetenztrainer, Berater für strategische Kommunikation und Desinformationsanalyst in Wien tätig. Er ist Vizepräsident der NGO „Vienna Goes Europe“ und Gründer der Initiative „Disinfo Resilience Network“, die sich der Vernetzung von Fachleuten zur Aufdeckung und Einordnung hybrider Bedrohungen widmet.
