Auffällige Reaktionen auf den Tod von Khamenei und den Angriff auf den Iran
Die aus den USA und Israel durchgeführten Angriffe auf den Iran haben unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Viele Exiliraner, aber auch Personen im Iran feiern, andere sind gleichzeitig voll Hoffnung und Sorge, wie sich diese militärische Intervention entwickeln wird, was das für die Menschen vor Ort bedeutet und ob am Ende das Regime überhaupt fallen wird. Die Emotionen reichen von Euphorie bis hin zu tiefer Verunsicherung. Neben Freude, skeptischer Hoffnung und objektiver Kritik gibt es aber auch Reaktionen von unterschiedlichen Gruppen in westlichen Demokratien, die erstaunlich sind.
Federführend bei Demonstrationen, die ein Ende der Militäroperation gegen den Iran fordern, ist zum Beispiel die Organisation Code Pink. Tiefergehende Kritik am Iran sucht man auf der Website der “Friedensorganisation” vergeblich. Das ist nicht überraschend, bedenkt man, dass Code-Pink-Vertreter auch bei regimenahen Konferenzen im Iran bzw. in entsprechenden Medien zu Gast waren. Man kann beim Durchsehen der Positionen und Aussendungen von Code Pink den Eindruck bekommen: sehr weich gegenüber China, Russland, Venezuela und eben dem Iran, dafür hart gegen alles, was als “westlich” verstanden wird. Diese Schwerpunktsetzung wirft Fragen nach der tatsächlichen politischen Ausrichtung der Organisation auf.
Ebenfalls rasch zu identifizieren bei Demonstrationen, die den Militärschlag gegen den Iran verurteilen, aber die Natur des Regimes unerwähnt lassen, sind diverse Splittergruppen der autoritären Linken. Diese werden bemerkenswerterweise, auch wenn man so manche Personen links der Mitte fragt, als “trotzkistische oder stalinistische Sekten” bezeichnet. Auffällig ist, dass man sich hier zwischen Trotzkisten und Altstalinisten einig zu sein scheint.
Das Mullah-Regime wird aber nicht nur verharmlost, sondern teilweise sogar offen glorifiziert. Manche sehen den Iran als “Bollwerk gegen Israel” oder den “westlichen Imperialismus”. Diese Unterstützung kommt nicht nur “durch die Blume”; einige Demonstrierende, auch in Wien, zeigten das Porträt des getöteten “Obersten Führers” Ali Khamenei. Solche Bilder senden ein deutliches politisches Signal, das über bloße Kritik an Militärschlägen hinausgeht.
Der Gründer der “American Communist Party”, Jackson Hinkle, postete auf X/Twitter nach dem Tod Khameneis ein Bild Khameneis in Schwarzweiß und kommentierte “Hero”. Er schrieb auch “Stand with Iran” und “Iran is not our enemy” und postete dazu das Bild des “Obersten Führers”. Hinkle hat allein auf X 3,7 Mio. Follower.
https://x.com/jacksonhinklle/status/2028802574271541511
Es ist eine eigenartige Allianz aus linksextremen, sogenannten “Antiimperialisten”, aber nur wenn es um (scheinbaren) westlichen Imperialismus geht, “Friedensbewegten”, aber auch weit rechts stehenden Kräften, die mit sehr auffälligen Narrativen auf die derzeitige Situation reagiert. Diese Konstellation verbindet Akteure, die ideologisch sonst kaum Berührungspunkte haben. Das rechte “Compact Magazin” (Chefredakteur Jürgen Elsässer) schreibt auf X: “Terror: Israel ermordet Ajatollah Chamenei 😡”. Elsässer schrieb in einem Social-Media-Kommentar: “Tod dem us-raelischen #Imperialismus!”
Leider werden auch in seriösen Medien Bilder von Demonstrationen “gegen den Krieg” ohne die entsprechende Einordnung der dort anwesenden Akteure gezeigt. Das gilt nicht nur für obskure Organisationen und Bewegungen im Westen, die nicht selten auch durch iranische Regimemedien amplifiziert werden, sondern auch für die Pro-Regime-Kundgebungen im Iran selbst. Diese Regime-Inszenierungen werden nicht selten unter Zwang durchgeführt; von Personen im öffentlichen Dienst wird erwartet, sich daran zu beteiligen. Natürlich nehmen auch Profiteure des Regimes daran teil. Diese Einordnung fehlt leider sehr oft, wenn Bilder dieser “Events” in unseren Medien gezeigt werden. Auf Social Media gehen Unterstützer des Regimes noch einen Schritt weiter: Sie zeigen einfach Bilder, die gar nichts mit der Gegenwart zu tun haben, zum Beispiel von Demonstrationen nach dem Tod des Militärs Qasem Soleimani aus dem Jahr 2020 (out of context Fakes).
Eine Pro-Regime-Influencerin wirft auf Instagram den westlichen Medien vor, dass sie die Bilder der Pro-Mullah-Demonstrationen nicht zeigen würden.
Doch, sie zeigen sie, es fehlt nur an der kritischen Einordnung.
- Compact Magazin kommentiert den Tod Chameneis mit einem wütenden Smiley
https://x.com/COMPACTMagazin - Antisemitismus-Experte Stephan Grigat zur “New Horizon Conference” mit Code-Pink-Beteiligung
https://jungle.world/artikel/2014/41/truther-teheran - Code-Pink-Publikationen zum Iran:
https://www.codepink.org/iran - Jackson Hinkle bezeichnet Chamenei als “Helden”
https://x.com/jacksonhinklle/status/2028802574271541511 - Code Pink bei der „New Horizon“ Conference im Iran, Bericht im Regimefernsehen
https://www.youtube.com/watch?v=OyQ4zhUsoCM
